Mikrofinanzierung für Quartiere: MIQUA
Die Evaluation von Modellvorhaben hat gezeigt, dass Mikrofinanzierung ein wichtiges Element zur Stärkung der lokalen Ökonomie sein kann. Mit dem quartiersbezogenen Aufbau einer Mikrofinanzstruktur sind allerdings folgende Probleme verbunden:
- Aufbauproblem: Quartiersbezogene Mikrofinanzierung ist eine Querschnittsaufgabe mehrerer Ressorts. Abstimmungsprozesse dauern lange. Die Einbindung der lokalen Bank ist schwierig.
- Fehlende Eigenwirtschaftlichkeit: Selbst wenn das Aufbauproblem gelöst ist, kann eine wirtschaftliche Kreditvergabe erst ab mindestens 150 Krediten erfolgen. So viele Kredite sind in einem begrenzten Quartier nur schwer auszureichen.
Vor diesem Hintergrund etabliert das Projekt eine quartiersbezogene interkommunale Mikrofinanzstruktur mit lokaler Verankerung von Quartiersberaterinnen und -beratern. Eine gemeinsame Mikrofinanzstruktur ermöglicht es im Rahmen des Projekts bis zu fünf Quartieren, Mikrofinanzierung für kleine Unternehmen und Selbstständige im Quartier verfügbar zu machen. Damit werden beide o.g. Probleme gelöst:
- Lösung des Aufbauproblems, denn die Partnerquartiere nutzen ein fertiges Mikrofinanzsystem und
müssen lediglich in ihren Kommunen den Anschluss organisieren. - Eigenwirtschaftlichkeit wird erreicht, indem sich mehrere Quartiere zusammenschließen. Damit werden
insbesondere die erforderlichen Mindeststückzahlen realistisch, weil der Aktionsradius nicht mehr auf nur
ein Quartier beschränkt ist.
| Kooperationspartner |
Quartiersmanagements der Programmgebiete
KIZ - Akkreditierter Mikrofinanzierer Deutsches Mikrofinanz Institut (DMI) GLS Bank oder regionale Banken |
|---|---|
| Handlungsfelder | Stärkung der lokalen Ökonomie |
| Zielgruppen |
Betriebe der lokalen Ökonomie
Existenzgründerinnen und Existenzgründer |
Handlungsbedarf und Ziele
Die Vergabe von Kleinkrediten durch Banken an Gründer und kleine Unternehmen findet in Deutschland kaum noch statt. Aber gerade die lokale Ökonomie wird durch kleine Selbstständige betrieben. Das ExWoSt-Modellvorhaben „Ostpol° Kredit“ hat gezeigt, dass Mikrofinanzierung ein wichtiges Element zur Stärkung der lokalen Ökonomie sein kann. Der Zugang erfordert eine organisierte Mikrofinanzstruktur, die im Projekt geschaffen wird. Mit dem quartiersbezogenen Aufbau einer Mikrofinanzstruktur sind aber Probleme verbunden:
1. Aufbauproblem
Mikrofinanzierung ist eine Querschnittsaufgabe der Ressorts Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung und Arbeitsförderung/Soziales. Das Thema wird (noch) nicht von allen Akteuren als Aufgabe der Kommune gesehen. Kommunen scheuen die haushaltsrechtlichen und politischen Hürden und Abstimmungsprozesse dauern häufig sehr lang. Im kommunalen Kontext wird bei Krediten grundsätzlich an die lokale Bank als Partner verwiesen. Diese steht oft der Zielgruppe – Klein- und Kleinstunternehmen im Quartier – kritisch gegenüber, da z.B. der Kreditbedarf zu klein ist, eine Kredithistorie fehlt, Schufa-Einträge bestehen oder der Antragsteller im falschen Postleitzahlengebiet wohnt.
2. Fehlende Eigenwirtschaftlichkeit
Selbst wenn diese Hürden genommen sind, stellt sich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Es müssen jährlich ca. 150 Kredite vergeben werden, um Eigenwirtschaftlichkeit zu erreichen. Deshalb können einzelne Quartiere keine eigenwirtschaftliche Struktur aufbauen. Ansatz: Etablierung einer quartiersbezogenen interkommunalen Mikrofinanzstruktur mit lokaler Verankerung von Quartiersberaterinnen und –beratern. Eine gemeinsame Mikrofinanzstruktur ermöglicht es im Rahmen des Projekts fünf Quartieren, Mikrofinanzierung für kleine Unternehmen und Selbstständige im Quartier verfügbar und praktikabel zu machen. Dabei wird auf den Erfahrungen und Ergebnissen des ExWoSt-Modellvorhabens „Ostpol° Kredit“ aufgebaut. Im Ergebnis werden 200 Kredite in den Quartieren vergeben. Da für den Aufbau der Strukturen vor Ort umfassende Kommunikationsprozesse Voraussetzung sind, werden die Kooperationen mit den einzelnen Quartieren im Projektverlauf stufenweise aufgebaut.
KIZ hat als DMI-akkreditierter Mikrofinanzierer im Rahmen des „Ostpol° Kredits“ eine quartiersbezogene Mikrofinanzstruktur in der östlichen Innenstadt Offenbach aufgebaut. Durch das Projekt wird diese Struktur für andere Quartiere geöffnet und weiterentwickelt.
1. Lösung des Aufbauproblems
Die Partnerquartiere nutzen ein fertiges Mikrofinanzsystem und müssen lediglich in ihren Kommunen die Voraussetzungen für den Anschluss schaffen (Lokalfonds, lokale Partner). Damit ist das Aufbauproblem gelöst, da es nicht mehr darum geht, ein komplett neues, politisch diskutiertes, haushaltsrechtlich schwieriges, mit großem Abstimmungsaufwand verbundenes Thema ganz neu anzugehen.
2. Schaffung von Eigenwirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
Eigenwirtschaftlichkeit wird erreicht, da sich mehrere Quartiere die Kosten einer Mikrofinanzstruktur teilen. Durch den erhöhten Schnittstellenaufwand steigt nach der Kalkulation des Projekts die erforderliche Kreditzahl pro Jahr auf etwa 200. Nach Ende der Projektlaufzeit wird die Struktur für weitere Quartiere geöffnet.
Aktivitäten
- Netzwerkbildung: Bildung der Steuerungsgruppe und lokaler Netzwerke, regelmäßige Treffen
- Qualifizierung der Quartiersberaterinnen und -berater: Baustein 1: Grundlagen der Mikrofinanzierung; Baustein 2: Produkte, Zielgruppen, Markt; Baustein 3: Kreditbearbeitung, Verfahren, Abläufe, Tools; Baustein 4: Kreditpraxis, regelmäßige Praxisforen für die Quartiersberater
- Produktentwicklung: Festlegen der Kreditvergabemethode, regelmäßige Überprüfung des Produktdesigns, Sicherstellung des Kapitalzugangs über den Mikrofinanzfonds Deutschland (DMI), Aufbau lokaler Risikofonds, Einbindung der (lokalen) Banken
- Marketing: Entwicklung von Werbematerialien, Homepage, Einbindung in die Quartiersstrukturen, Durchführung von Werbekampagnen, Infoveranstaltungen bei Multiplikatoren, „aufsuchende Beratung" bei den Selbstständigen der Quartiere, Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt
- Produktion: Kontaktgespräche, Beratung und Schulung der Kreditnehmer, Kreditanträge, Gespräche bei Kreditstörungen, Bearbeitung der Kreditanträge; Weiterleitung der Kreditanträge an Bank(en), Begleitung der Rückzahlung in Zusammenarbeit mit Quartiersberatern, Überwachung der Rückzahlung mit Hilfe des DMI Monitoring, Krisenintervention, ggf. Abwicklung
- Begleitende Unternehmensberatung im Quartier
- Tools: Öffnen des Kreditvergabesystems des DMI (DMI-Software) für lokale Partner, Einarbeitung der Quartiersberaterinnen und -berater in die DMI-Software und das Monitoringtool
- Projektmanagement: Kontakte mit Partnern, Evaluation, Organisation von Erfahrungsaustausch / Benchmarking, konzeptionelle Anpassungen, Mainstreaming / Öffentlichkeitsarbeit, Abrechnung, Dokumentation
Projektinformationen
Zielgebiet: Regionale Wettbewerbs-
fähigkeit und Beschäftigung
Bundesland: Hessen, Nordrhein-Westfalen
Stadt: Offenbach, Duisburg, Gelsenkirchen, Leipzig
Programmgebiet: Östliche Innenstadt, Bruckhausen, Hochfeld, Marxloh, Nebenzentrum Beeck, Südost - Bulmke-Hüllen/Ückendorf/Neustadt, Leipziger Osten
Projektlaufzeit: 02/2009 bis 10/2012
Förderrunde: 2008-2012
Kontakt
KIZ gemeinnützige Projektgesellschaft mbH
Hermann-Steinhäuser-Straße 43-47
63065 Offenbach
Telefon: 069 667796104
Fax: 069 667796222
berndcurtius@kiz.de
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